„Wohnstraße,
Lernstraße, Partnerstraße“
Projekt an deutschen Auslandsschulen
Frühes Deutsch
Fachzeitschrift für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache im Primarbereich,
Goethe-Institut, München, August 05
„Die Straße, in der ich wohne“ ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie
Schulen durch kreative Impulse von außerschulischen Partnern ein
lebensnahes Lernen im Unterricht fördern können
Straße, Weg,
Gasse, Allee, Chaussee, Platz – jeder von uns wohnt an einem Ort mit einem
solchen oder ähnlichen Namen. Jeder dieser Orte ist durch Straßen mit den
anderen Orten verbunden. Ein Netz von Straßen verbindet uns ganz konkret
und geografisch miteinander. Folglich heißt auch der Grundgedanke unseres
Projektes Vernetzung.
Das Projekt steht
unter ideellen Schirmherrschaften des Bundesministeriums für Bildung
und Forschung und der Unicef. Auf unserer Homepage
www.kinderstrasse.org
sind demnächst über 24 000 Straßen-Geschichten aus Berlin, Frankfurt a.
M., Freiburg, Kassel, München, Nürnberg, Tübingen, Weimar, Glasgow,
Krakau, Prag, Rio de Janeiro und San Carlos (Nicaragua) nachzulesen. Im
Herbst werden wir das Projekt, in Kooperation mit der Aktion Mensch, an
allen Schulen für Blinde und sehbehinderte Kinder in Deutschland
ausschreiben.
Mit der Ausschreibung von "Die Straße, in der ich wohne" an den 117
deutschen Auslandschulen (für die Klassenstufen 1 bis 6) betreten wir
Neuland: Die Ausschreibung erfolgt per Internet, ebenso wie das Einreichen
der Texte durch die Schulen oder die einzelnen Kinder. Wir erwarten über
4000 Straßen-Geschichten weltweit. Alle Texte werden von uns geographisch
und alphabetisch angeordnet, auf unserer Homepage online geschaltet und
als Gesamtdokumentation per Post an die beteiligten Schulen gesendet. Eine
kleine Auswahl der etwa 200 originellsten und interessantesten Geschichten
wird schließlich in Form eines Lesebuchs mit dem Titel "Die Straßen, in
denen wir wohnen" veröffentlicht.
Jugend in der Wissenskompetenz, interkultureller Austausch, Vernetzung,
Nutzung der neuen Medien und freies Schreiben zu einem authentischen
Schreibanlass sind die Stichworte zu "Die Straße, in der ich wohne" an
deutschen Auslandsschulen. Die jungen Autoren/innen können die Publikation
ihrer Texte in mehreren Schritten mitverfolgen und den
Informationsaustausch nutzen, der so entsteht: Kinder, die in Deutschland
zur Schule gehen, erfahren etwas über die Lebenswirklichkeit ihrer
Altersgenossen auf der ganzen Welt - und umgekehrt - und können
miteinander in Kontakt treten.
Denn auch über die Text- und Publikationsebene hinaus sollen Kontakte und
Austausch ermöglicht werden. In Kooperation mit dem DASAN-Server (Deutsche
Auslandsschulen ans Netz) wird ein Internationaler Chatroom
http://chat.dasan.de
eingerichtet. Für etwa 20 Kinder und Jugendliche sollen dreiwöchige
Austauschbesuche organisiert werden.
Dass „Die Straße, in der ich wohne“ auch konkrete Veränderungen vorort
bewirken kann, zeigt das Beispiel San Carlos in Nicaragua. Die Straßen
dort sind vor allem in der Regenzeit in einem miserablen Zustand. Viele
Straßen sind namenlos oder heißen einfach „Wohnprojekt“. Durch die Texte
der Kinder in unserem Buch „Wenn die Straßen sprechen könnten... / Si las
calles pudieran hablar...“ wurde die Stadtverwaltung aufmerksam. Manche
Kinder hatten phantastische Vorschläge gemacht, wie sie ihre Straßen
nennen würden. Nun werden die Straßen in San Carlos tatsächlich benannt.
Ein völlig neuer Ansatz ist auch die von uns entwickelte Idee, zwischen
einzelnen Straßen, z. B. von Partnerstädten, "Straßenpartnerschaften"
einzurichten.
Texte von:
Marius, Freiburg, Dortusstraße
Marta, Krakau, ulica Magnolii
Kenneth, Glasgow, Cleveden Road |