| Wie die Kinder „Ihre“
Straße erleben „Großes Projekt für Grundschüler: Aufschreiben, was Spaß oder Angst bereitet“ Nordbayerische Nachrichten, 7. April 05 Welchen Namen würden die Bewohner des John-F.-Kennedy-Rings ihrer Straße geben? Wohnen die Eschlipper-Tal-Straßen-Bewohner in Ebermannstadt gerne dort? Was macht die Bahnhofsstraße in Gräfenberg einzigartig? Die Straße macht Verbindungen möglich, schafft Beziehungsnetze. Und bleibt doch seltsam anonym dabei. Das soll sich im Landkreis nun ändern. Mit den Augen der Kinder sehen lernen, könnte das Motto der Initiative kinderstrasse lauten. Grundschulkinder schreiben auf, wie es ich in der Straße, in der sie wohnen, so lebt, was sie ängstigt, wie sie riecht und vieles mehr – so die Idee des Vereins, der unter anderem bereits in Berlin, Nürnberg, Kassel und San Carlos erfolgreich solche kreativen Schreibprojekte durchgeführt hat. Für die Kleinen ist es eine spannende Gelegenheit, sich Gehör zu verschaffen und etwas Eigenes entstehen zu sehen. Alle Aufsätze, und sind es nur vier Zeilen, werden korrigiert, abgetippt und in Buchform herausgebracht. Dieses Buch birgt auch den Nutzen für die Erwachsenen. „Es enthält wertvolle Informationen. Die Kinderbeschreibungen könnten zum Beispiel Städteplaner in ihre Überlegungen miteinbeziehen“, erklärt Wolfgang Schlenker, Projektbetreuer von kinderstrasse. In einem Bezirk von Berlin zum Beispiel brachten die Kinder einer Schule ihre Aufsätze, schön bemalt und bebildert, dem Bezirksbürgermeister. Seitdem sorgt der Bezirk dafür, dass der Spielplatz nicht von grölenden Jugendlichen okkupiert wird. Auch ein Kinder-Straßenatlas könnte aus diesem Projekt entstehen, „die Möglichkeiten sind vielfältig“. 30 Grundschulen im Landkreis sind angeschrieben, im Deutsch- oder Sachkundeunterricht die Kinder zu motivieren, über ihre Straße zu schreiben. Bis zum letzten Schultag haben die Mini-Autoren Zeit dafür. Ende des Jahres sollen die Werke publiziert und im Buchhandel erhältlich sein. Außerdem soll es eine Ausstellung und Lesungen mit den Kindern geben. Zum ersten Mal findet das Projekt nicht nur in einer Stadt, sondern landkreisweit statt. Rund 10 000 Euro schätzt Schlenker, wird die Aktion kosten. Möglich machen es Stiftungsgelder und Sponsoren wie die Sparkasse Forchheim, die Wirtschaftsregion Bamberg-Forchheim und die Nordbayerischen Nachrichten. „Wir sind dankbar für jeden weiteren Förderer, der unser Projekt unterstützen will“, so Schlenker. In Nürnberg beteiligten sich 2001 über 5000 Kinder an dem Projekt, dessen ideelle Schirmherren die Unicef und das Bundesministerium für Bildung sind. Nicht nur in Deutschland, auch in Nürnbergs Partnerstädten Glasgow, Krakau, Prag und San Carlos sind Straßen-Geschichten entstanden. Bald sollen auch die 130 deutschen Auslandsschulen weltweit an dem Projekt teilnehmen. Begonnen hat die Aktion 1999 in Berliner Stadtteilen. 2002 riefen Ideengeber Wolfgang Schlenker und einige Freunde in Nürnberg den Verein kinderstrasse ins Leben und 2004 gründete der Verein einen Verlag. |