| „Vom Alltag der Kinder“ Zweisprachiges Buch mit Texten aus San Carlos Nürnberger Nachrichten, 24. Januar 05 Pünktlich zum 20-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft mit San Carlos hat das Amt für Internationale Beziehungen ein ganz besonderes Buch herausgegeben: „Wenn die Straßen sprechen könnten“ heißt das zweisprachige Werk, in dem Kinder aus Nicaragua ihren Alltag schildern. Entstanden sind die Texte im Rahmen des Schreibprojektes „Die Straße, in der ich wohne“, bei dem zunächst 5000 Nürnberger Schüler den Alltag vor der eigenen Haustür beobachteten – wir berichteten mehrfach. Projektleiter Wolfgang Schlenker sprach gemeinsam mit dem Amt für Internationale Beziehungen (IB) auch Kinder in den Nürnberger Partnerstädten an – und das Echo aus Nicaragua war enorm. 170 lange, handschriftliche Berichte über das Leben in der mittelamerikanischen Stadt trafen in Nürnberg ein; „wunderschön geschrieben“, wie nicht nur Karin Gleixner vom IB fand. Ursprünglich hätten die Texte „nur“ im Internet erscheinen sollen, doch Gleixner machte gemeinsam mit dem peruanischen Journalisten Esteban Cuya ein Buch daraus. Ehrenamtliche Helfer übersetzten die Briefe, Cuya steuerte unter anderem Erklärungen landestypischer Begriffe bei. Entstanden ist ein bebildertes deutsch-spanisches Lesebuch, das einen unverfälschten Blick auf den Alltag in San Carlos wirft. „Die Kinder schreiben offen, ohne Schere im Kopf“, so Gleixner. Damit biete das Buch eine „einzigartige Gelegenheit“, die Nürnberger Partnerstadt besser kennen zu lernen, „ohne die Reise dorthin anzutreten“, wie Oberbürgermeister Ulrich Maly im Vorwort schreibt. Dort wo Angel, Jorge und Nohelia wohnen, haben manche Straße keinen Namen. Sie liegen zwar in Stadtteilen mit poetisch klingenden Namen wie „Schöne Morgendämmerung“, zweigen ab an markanten Punkten wie dem „Stein der Liebe“, doch das Leben in ihnen ist alles andere als bequem. „Wenn es regnet, ist es schwierig, durch meine Straße zu laufen, denn es gibt viel Schlamm und Löcher, voll mit schmutzigem Wasser, schreibt zum Beispiel der Fünftklässler Angel Aguilar Bravo. „Obwohl die Straßen keinen Mund und keine Sprache haben, bin ich mir sicher, dass sie, wenn sie sprechen könnten, darum bitten würden, ausgebessert zu werden.“ Am Aussichtspunkt „einen halben Block Richtung See“ wohnt die zehnjährige Jerling Carolina Garcia Lopez, die ihre Straße „Straße des Fortschritts“ nennen würde, „da wir sie sehr sauber halten und uns alle gegenseitig helfen. Sie ist gepflastert und es gibt viele Läden in der Nähe. (...) Ich verlange nichts weiter von meiner Straße, es gibt Licht und Trinkwasser. Danke.“ Andere schwärmen vom Naturparadies San Carlos“ und laden die Deutschen ein, sich selbst ein Bild von der Stadt zu machen. Überhaupt schreiben viele Kinder an das „liebe Nürnberg“ oder die Freunde aus Nürnberg“ und wünschen sich mehr Kontakt mit der Partnerstadt. Das Buch könnte dazu beitragen. |