Schüler schreiben über „Leben in meiner
Straße“
Texte werden als Buch veröffentlicht und gerappt
Hessisch-Niedersächsische Allgemeine, Kassel, 27. Januar 04
KASSEL. Es soll ein ganz besonderer Atlas aus Kindersicht werden: Seit November
vergangenen Jahres portraitieren Jungen und Mädchen aller Kasseler Gesamtschulen
die Straßen, in denen sie wohnen. Die Texte erzählen kleine Geschichten,
beschreiben die schönen Seiten des Alltags, die Besonderheiten der jeweiligen
Straßen und Probleme. Die vielen kleinen Teile sollen sich zu einem großen
Ganzen fügen. Wolfgang Schlenker erhofft sich in der Gesamtschau eine
„Topographie der Stadt Kassel mit Verbesserungsvorschlägen.“ Schlenker leitet
beim Nürnberger Verein „Kinderstrasse“ das Projekt „Die Straßen, in denen wir
wohnen.“ Seit 1999 haben Kinder unter anderem ihre Straßen in Berliner
Stadtteilen, Nürnberg, München, Weimar und Freiburg beschrieben. Bislang waren
es vor allem Grundschüler, die die Texte verfassten. In Kassel sind es erstmals
die Klassenstufen 5 bis 10. Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft der
Unicef Deutschland und des Bundesbildungsministeriums. In Kassel wird es
unterstützt vom Kinder- und Jugendbüro der Stadt sowie der Frankfurter
BHF-Bank-Stiftung. Bis Ende März müssen die Texte fertig sein. Anschließend
werden alle eingereichten Berichte in Nürnberg redigiert, an die Schulen zur
Dokumentation zurückgesandt und ins Internet gestellt. Die Organisatoren
erwarten mindestens 1500 Einsendungen. Eine Auswahl wird zudem in einem Buch
veröffentlicht, das Ende des Jahres erscheinen soll. Jeder, der mitmacht,
gewinnt, lautet das Motto. Mitmachen kann ohnehin jeder. Wer nicht in eine der
teilnehmenden Schulen geht, kann seinen Text per Post an die HNA (Frankfurter
Straße 168, 34121 Kassel) oder per E-Mail (info@kinderstrasse.org) direkt an den
Veranstalter senden. Im Vordergrund steht nicht die fehlerlose Beherrschung der
deutschen Sprache, sondern Originalität und Anschaulichkeit der Darstellung,
heißt es in der Ausschreibung. Und wer es gar nicht mit dem Schreiben hat, kommt
auch auf seine Kosten: Vor den Sommerferien ist eine Aktionswoche in Kassel
geplant: Einige Texte sollen vor Publikum gerappt werden. Vertreter der Stadt
werden sich mit Kindern und Jugendlichen an einen Runden Tisch setzen.